Information hat Wert

Wer seine Diplom-, Master- oder Doktorarbeit nach 2007 an einer österreichischen Universität abgegeben hat, kennt sie – die Plagiatsprüfung. Dabei werden mittels Plagiatserkennungssoftware Abschlussarbeiten nach dem Hochladen mit allen elektronisch verfügbaren Texten abgeglichen, Auffälligkeiten meldet die Software sofort. [1]

Sich mit den Forschungsergebnissen anderer auseinanderzusetzen, diese als Grundlage oder Inspiration für die eigene Forschungstätigkeit zu nutzen und damit auch weiterzuentwickeln, zählt zu den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens – genauso wie das korrekte Zitieren all jener Stellen, die von anderen übernommen wurden. Geschieht dies nicht – Markus Malo spricht in diesem Zusammenhang von einer „[…] implizite[n], für den Leser nicht erkennbare[n] und damit nicht nachvollziehbare[n] Auseinandersetzung […]“ [2] – liegt ein wissenschaftliches Plagiat vor. [3]

Dass Plagiarismus kein Kavaliersdelikt ist, dass niemand fremdes geistiges Eigentum, sprich: die intellektuelle Leistung eines oder einer anderen ohne entsprechende Nachweise als seine oder ihre Arbeit ausgeben darf, muss transportiert werden – das schafft die Vermittlung von Informationskompetenz, denn informationskompetentes Verhalten inkludiert auch den ethischen Umgang mit Information. [4]

Informationsethik als Teil der Informationskompetenz findet sich in den Information Literacy Competency Standards for Higher Education der ACRL ebenso wie in den vom Netzwerk Informationskompetenz Baden-Württemberg herausgegebenen Standards der Informationskompetenz für Studierende (pdf). Hier heißt es im fünften Standard:
„Die informationskompetenten Studierenden sind sich ihrer Verantwortung bei der Informationsnutzung und -weitergabe bewusst.“
Unter anderem bedeutet dies, sowohl institutionelle Regeln in Bezug auf die Nutzung von Informationsressourcen zu befolgen, keine Plagiate zu erzeugen und verwendete Informationsquellen zu zitieren, als auch die Privatsphäre und den Dateschutz zu achten sowie das Urheberrecht zu wahren. [5]

Auch das Rahmenmodell ANCIL (A New Curriculum for Information Literacy) spricht die „ethische Dimension von Information“ (strand 7) dezidiert an: die Vermeidung von Plagiarismus, korrektes Zitieren, das Teilen von Informationen, ohne die Rechte anderer zu verletzen, und die Achtung von fremdem geistigen Eigentum zählen unter anderem zum Inhalt dieses Strangs. Neben den Lernzielen werden bei ANCIL zu deren Erreichung auch didaktische Methoden vorgeschlagen. Nicht zuletzt deshalb erscheint ANCIL als ein besonders probates Modell für den Einsatz im Hochschulbereich. [6]

Im Rahmen der Vermittlung von Informationskompetenz über Plagiarismus und seine Folgen nachhaltig aufzuklären, die „gute wissenschaftliche Praxis“ nahe zu bringen sowie ganz allgemein die Grundwerte der Informations- und Meinungsfreiheit zu vermitteln und vor allem Verständnis dafür zu wecken, sollte bereits im Schulalter stattfinden, spätestens jedoch zu Beginn des Hochschulstudiums. [7] Eine so früh als möglich einsetzende Bewusstseinsbildung hinsichtlich des korrekten wissenschaftlichen Arbeitens wird auch deswegen für so wichtig erachtet, da die so genannten digital natives „[…] im Allgemeinen mit der Gratiskultur des Internets aufgewachsen […] [sind] und die hier vorherrschende Tauschkultur auf den Wissenschaftsbetrieb […]“ übertragen. [8]

Am zielführendsten ist es sicherlich, bereits in der Schul- und später in der Hochschulbildung die Vermittlung von Aspekten der Informationsethik als Teil der Informationskompetenz fix zu implementieren. Darüber hinaus sollte aber nicht vergessen werden, ebenso die etablierte Wissenschaft und natürlich auch Personengruppen außerhalb des Wissenschaftsbetriebs immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass Plagiarismus eben kein Kavaliersdelikt ist.
Information hat Wert, auch – und im Zusammenhang mit diesem Blogbeitrag vor allem – im Sinne des Schutzes der intellektuellen Leistung eines, einer anderen. Die Achtung fremden geistigen Eigentums muss für alle gelten!

A. Spitta, Teilnehmerin ULG UB Wien 2015

Quellen:
[1] Vgl. Anna Schinwald, Diplomarbeit: So funktioniert die Plagiatsprüfung. In: Die Presse, 25.09.2012, online unter http://diepresse.com/home/bildung/unilive/1294155/Diplomarbeit_So-funktioniert-die-Plagiatsprufung (31. Mai 2015).

[2] Markus Malo, Das Schreiben der Anderen – Informationskompetenz und Plagiarismus. In: Wilfried Sühl-Strohmenger (Hg.), Handbuch Informationskompetenz (Berlin/Boston 2012) 290-300, hier: 295.

[3] Ebenda, 294f.

[4] Vgl. Hermann Rösch, Informationskompetenz, Informationsfreiheit, Informationsethik. In: Wilfried Sühl-Strohmenger (Hg.), Handbuch Informationskompetenz (Berlin/Boston 2012) 57-66, hier: 64.

[5] Vgl. Netzwerk Informationskompetenz Baden-Württemberg (Hg.), Standards der Informationskompetenz für Studierende, online unter http://www.informationskompetenz.de (pdf) (31. Mai 2015).

[6] Vgl. ANCIL full curriculum (with explanatory notes), online unter: http://implementingancil.pbworks.com/w/file/55164963/ANCIL%20full%20curriculum%20%28with%20explanatory%20notes%29 (31. Mai 2015).

[7] Vgl. Rösch, Informationsethik, 64f.

[8] Malo, Plagiarismus, 294.

Advertisements