Information hat Wert

Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Information ist immer und überall verfügbar, ja es wird sogar von einer „Informationsflut“ gesprochen. Aber hat „Information“, etwas das uns ständig angeboten wird und so allgegenwärtig ist, dass wir drohen, unter einer „Informationsflut“ zu „ersticken“ denn auch einen Wert?

Wollte man vor zwanzig Jahren einen Fakt nachschlagen, musste man entweder in eine Buchhandlung gehen und ein Lexikon kaufen oder in eine Bibliothek gehen, eventuell einen Leserausweis beantragen und dort recherchieren. Der Zugang zu Information war also mit einem bestimmten finanziellen und/oder zeitlichen Aufwand verbunden. Heute reicht es, den Suchbegriff in einen Schlitz einzugeben und man bekommt die gewünschten Informationen. Oft ist es nicht einmal nötig, zu wissen, auf welcher Homepage man nachschlägt, denn im Browser auf dem Computer oder auf dem Homescreen das Smartphones befindet sich ein Schlitz, der direkt zu Google oder Wikipedia verlinkt. In vielen Apps reicht es, das gewünschte Wort zu markieren und auf „nachschlagen“ zu klicken, ohne dass man sich bewusst sein muss, worin man denn eigentlich gerade nachschlägt. Der Zugang zu Information geschieht also kostenlos, sofort, in der Umgebung, in der sich der Nutzer gerade befindet (Browser, App, …) und ohne bewusste Selektion der Quellen.

Doch nur, weil der Umgang mit Information oft unreflektiert und unbewusst erfolgt, heißt das noch lange nicht, dass die Information keinen Wert hat. Denn auch wenn der Zugriff zur Information mit keinerlei Aufwand verbunden ist, sind doch für das Erstellen und zur-Verfügung-stellen von Informationen Zeit, Geld und sonstige Ressourcen nötig. Sich dieses Wertes sowohl beim Konsumieren, als auch beim Produzieren von Information bewusst zu sein, ist ein wichtiges Element der Informationskompetenz. „Information has Value“ ist daher eins der sechs Frames des Framework for Information Literacy for Higher Education der ACRL (Association of College and Research Libraries). Hier werden verschiedene Dimensionen von Wert betrachtet, sowohl als Ware, als auch als ein Mittel zur Erziehung, zur Beeinflussung und zur Betrachtung der Welt. Nutzer sollen sich der verschiedenen Dimensionen des Wertes von Information bewusst sein und ihre Rechte und Pflichten als Konsumenten und Produzenten von Information verstehen. Dazu gehören unter anderem

  • die korrekte Zitation, um den Wert der Arbeit anderer anzuerkennen und sich nicht selbst anzueignen
  • zu verstehen, wie Information und der Zugang zu Informationen genutzt werden können, um andere zu beeinflussen (gemeint ist hier ein theoretisches Verständnis, um diese erkennen zu können und nicht etwa, solche Praktiken selbst umzusetzen)
  • bewusst darüber zu entscheiden, wo und wie die eigene Information publiziert wird.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Information einen Wert hat, und dass ein sich-bewusst-machen dieses Wertes und ein bewusstes Umgehen mit Information ein wichtiger Aspekt von Informationskompetenz ist.

„Das hab ich auf Twitter gelesen, also muss es wahr sein!“ – Informationskompetenz im Alltag.

Laut Definition ist Informationskompetenz „die Fähigkeit, die es ermöglicht bezogen auf ein bestimmtes Problem, Informationsbedarf zu erkennen, Informationen zu ermitteln und zu beschaffen sowie Informationen zu organisieren zu bewerten und effektiv zu nutzen“ Obwohl es hier nicht enthalten ist, wird im Allgemeinen nur im Hochschulbereich auf Informationskompetenz geachtet. Das ist auch schön und gut, jedoch finde ich, dass diese Fähigkeit auch im Alltag notwendig ist. Besonders in den Medien und beim Journalismus.

Da wir in einer Zeit leben wo die Informationsflut über einen einbricht, bekommt man nur die ’spannendsten und neuesten‘ Nachrichten serviert. Es wurde nur so lange über die Ukraine berichtet so lange es noch schockierend war, will man sich jedoch weiter darüber auf dem Laufenden halten, muss man schon Informationskompetenz beweisen. Es müssen viele kleine Berichte gelesen werden, und zuerst festgestellt werden wer überhaupt die vertrauenswürdigen Quellen sind oder wo eine anderes Motiv dahinter liegen könnte.

Am besten würde sich dafür Framework der American Library Association (ALA) eignen.

Schon im ersten Frame wird ein wichtige Komponente angesprochen: die Definition von verschiedenen Autoritäten. Das wären in diesem Fall die verschiedenen Medienkanäle. Zeitung? Ejournal? Blog? Twitter? Oder Social Media?

Danach müssten diese verschieden eingestuft werden: vertrauenswürdig, ja? Oder nein? Handelt es sich um eine Zeitung die schon dafür bekannt ist nicht sehr auf Fakten zu achten, und zitiert sie dann auch noch eine anonyme Quelle die es nicht gibt? Kann der Twitter-User eine Quelle angeben wenn man danach fragt, oder ist sie sogar schon im Tweet enthalten?

Besonders bei Social Media, muss man noch kritischer gegenüber dem sein was man ließt. Jedoch hört das nicht nur beim Lesen auf.

Man bleibt vielleicht nicht für ewig nur der Consumer, sondern wird auch zum Producer. Um als vertrauenswürdig zu gelten, sollte man immer die Quelle bereit haben, oder falls es sich in 140 Zeichen noch ausgeht gleich die Quelle mit angeben.

Deshalb finde ich, dass Framework ein ideales Modell dafür wäre. Es ist nicht nur flexible, sondern auch ’nur‘ ein Rahmenmodell und kann somit auch auf den Alltag bezogen werden.

Framework for Information Literacy for Higher Education als Denkmodell für den Umgang mit Repositorien

Ein Beitrag einer Kursteilnehmerin

Das von der Association of College and Research Libraries veröffentlichte Framework (http://www.ala.org/acrl/standards/ilframework) basiert auf einer Delphi Studie, die einige Schwellenkonzepte im Bereich Informationskompetenz identifiziert hat. Grundlegend dabei ist die Überzeugung, dass alle am Informationsprozess beteiligten Personen, sich ihrer Verantwortung am Prozess gelungener Informationsweitergabe stärker bewusst werden sollten. Das Modell geht von sechs so genannten Frames aus, wobei vor allem drei davon meiner Meinung nach auch für den Umgang mit Repositorien unverzichtbar sind. Eines dieser Konzepte meint „Authority is Constructed and Contextual“. Die Frage nach glaubwürdigen Quellen wird umso wichtiger, je größer das Informationsangebot ist und umso leichter und vielfältiger sich der Zugang zu Publikationsorganen gestaltet. Bei Repositorien, die beispielsweise von der gesamten Universität, also auch von den Studierenden, aktiv genutzt werden kann, bedarf es auf der einen Seite einer kritischen Haltung gegenüber den publizierten Inhalten, auf der anderen Seite ergibt sich dadurch aber auch die Chance, an Inhalte zu gelangen, die vielleicht von nicht ausgewiesenen ExpertInnen des eigenen Faches stammen und dennoch wichtig für die Forschung sind. Ein Beispiel dafür wären Bilder, die von Geografen zur Verfügung gestellt werden, aber aufgrund darauf erkennbarer historischer Gebäude auch für Kunsthistoriker interessant sind. Auch die These „Information Creation as a Process“ trifft meiner Meinung nach auch auf Repositorien zu. Inhalte aus einem Repositorium können mit anderen Inhalten verknüpft und eventuell in einem anderen Kontext in Beziehung gesetzt werden. Fächerübergreifende Betrachtungen eines Gegenstandes werden möglich und daraus kann neues Wissen entstehen. Auch die unterschiedlichen Repräsentationsmethoden von Wissen in unterschiedlichen Formaten werden hier angesprochen und sind wichtig für den Prozess der Informationsgewinnung. Nicht zuletzt ist auch der Punkt „Information has Value“ wesentlich. Hier ist vor allem die Eigenverantwortlichkeit der ProduzentInnen aber auch der KonsumentInnen von Wissen angesprochen. Das betrifft nicht nur den reflektierten Umgang mit rechtlichen Fragen, sondern auch das Bewusstwerden, dass Information immer ein soziales und kulturabhängiges Konstrukt ist. Wichtig ist auch, sich die Tatsache, dass die Möglichkeit Wissen verbreiten zu können nichts Selbstverständliches ist, immer wieder vor Augen zu halten. Der offene Zugang zu Publikationsmöglichkeiten ist nichts Selbstverständliches. Die Möglichkeit Inhalte über ein Repositorium weltweit verbreiten zu können ist jedoch auch mit Verantwortung verbunden. Information zu produzieren bedeutet Zeit und Wissen zu investieren, was von den Usern, also im Grunde von uns allen, auch respektiert werden sollte.
Aber auch die restlichen drei Frames sind für den Umgang mit Repositorien durchaus interessant. „Research as Inquiry“, „Scholarship as Conversation“ und „Searching as Strategic Exporation“ zielen darauf ab, den Informationsfluss als mehrdimensional zu betrachten. Es existieren in der heutigen Zeit zahlreiche Zugänge zum Wissen, die mitbedacht werden sollten. Etwas zu wissen ist kein statischer sondern ein dynamischer Zugang. Die Information zwischen Lehrendem und Lernendem fließt in beide Richtungen und die Suche nach Information sollte möglichst breit angelegt und den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. Informationssuchende müssen sich Wissen über die Struktur des zur Verfügung gestellten Wissens aneignen und Informationsanbieter müssen das Wissen entsprechend aufbereiten. Der Zugang zu den Inhalten sollte über Metadaten leicht erschließbar sein und die Struktur der verwalteten Objekte muss klar erkennbar werden. Hilfestellungen verschiedener Art von Seiten der Repositorienbetreiber sind dabei ebenso selbstverständlich wie eine begleitende juristische Unterstützung. Nur so kann das gesammelte und aufbereitete Wissen fließen.
Insgesamt bietet dieses Framework wichtige Denkanstöße um mit Information adäquat umgehen zu können. All die Überlegungen sollten auch beim Betrieb und bei der Verwendung von Repositorien Eingang finden.

Susanne Blumesberger, Teilnehmerin

[Anmerkung Karin Lach: Ich füge diesen Beitrag manuell für eine Kursteilnehmerin ein, da wir es trotz wiederholter Einladungen durch mich und Annahmen durch sie leider nicht geschafft haben, sie als aktive Beiträgerin freizuschalten… also machen wir es so.]

 

Am 21. bzw. am 24. April geht es los!

Das eintägige und das eineinhalbtägige Workshop im Rahmen des  ULG “Library and Information Studies” (Grundlehrgang) an der Universität Wien (Österreichische Nationalbibliothek bzw. Universitätsbibliothek Wien) Studienjahr 2014/2015, Modul 5.3 Förderung von Informationskompetenz beginnen am 21. bzw. am 24. April 2015.

Bis dahin gilt es sich 3 rezente Rahmenmodelle der Informationskompetenz ( ACRL Framework for Information Literacy for Higher Education, Metaliteracy, A New Curriculum for Information Literacy (ANCIL) ) einmal anzusehen.

Wir werden uns diese Rahmenmodelle daraufhin ansehen, wie und in welchen Kontexten sie eine Leitfunktion für die Entwicklung von didaktisch durchdachten Angeboten bieten können, und das an Praxisbeispielen im Ansatz ausprobieren. Und einige Reflexionen darüber bzw einige Ergebnisse sollen in diesem Blog veröffentlicht werden. Es wird spannend!

(Karin Lach)