Informationskompetenz hat Niveau – Referenzrahmen der Informationskompetenz

Man versetze sich in folgende Situation: In der S-Bahn nach Korneuburg sitzt mir  eine Mutter mit ihrer etwa dreijährigen Tochter gegenüber. Die Mutter nimmt ihr Tablet aus der Tasche. Das Mädchen greift zu, betätigt den An-Knopf, tippt mit seinem tapsigen Zeigefinger auf das Foto-Icon und wischt sich von einem Bild zum nächsten. Als sie damit durch ist, steuert die Kleine zielsicher zurück zum Foto-Icon und beginnt das fröhliche Wisch-Spiel durch ein weiteres Fotoalbum von vorn.

Digital Natives nennt man die Kids der heutigen Informations- und Mediengesellschaft. Der jungen Medienusergeneration steht in ihrem Alltag eine breite, ubiquär nutzbare Medienpalette zur Verfügung und besitzt ein scheinbar instinktives Wissen um die Handhabe der E-Medien.

Informationsrecherche-Know-How – dicht oder licht?

Doch wie kompetent ist das Wissen der Digital Natives, Schüler, Studenten und künftigen Wissenschafter tatsächlich? Erkennt der Studierende, dass Informationsbedarf besteht? Reicht sein Informationsrecherche-Know-How nur zur „einfachen Suche“ oder ist bereits die „erweiterte Suchfunktion“ samt ihren Bool’schen Operatoren, Trunkierungen, etc. bekannt? Welche Online-Informationsquellen werden genutzt? Schlägt der Studierende auch in Thesauri, Lexika nach? Und vor allem: Können Studenten objektiv einschätzen welche Informationen die Qualitätsstandards erfüllen, die fürs wissenschaftliche Arbeiten unerlässlich sind?

Dies sind Kernfragen, mit denen sich Bibliotheken und Bibliothekare im Rahmen der Informationskompetenzschulungen für Studierende auseinandersetzen müssen. Hier trifft der professionelle Suchstratege auf den autodidakten Medienaffinen und/oder auf den Durchschnitts-User, der sich über die Suchoptionen bei Google, Wikipedia & Co. gut zurecht findet.

Doch wie kann man Menschen mit dieser Bandbreite an unterschiedlichem Recherche(vor)wissen eine gemeinsame, adäquate und nachhaltige Schulung zu informationskompetenten Studenten und Wissenschaftern angedeihen lassen?

Referenzrahmen der Informationskompetenz

Am Deutschen Bibliothekartag 2015 (26.-29.5.2015) in Nürnberg stellte Andreas Klingenberg von der Bibliothek der Hochschule für Musik in Detmold den Referenzrahmen der Informationskompetenz vor (1). Das Modell, das momentan noch Theorie ist und auf seine Umsetzung wartet, misst den Niveauunterschied in der Informationskompetenz der Lernenden.

Ausgegangen wird von einem Basisraster, bestehend aus den vier Tätigkeiten „Suchen“, „Prüfen“, „Wissen“ und „Darstellen“. Diese vier Tätigkeiten umfassen wiederum Teilkompetenzen wie zB.: Wissensbedarf formulieren; Quellen finden; Wissen formulieren; etc. – die wiederum in Niveaustufen unterteilt sind.

Am Ende ergeben die gewonnenen Daten aus dem Referenzrahmen drei Niveaustufen der Informationskompetenz: Die elementare (A1, A2), die selbständige (B1, B2) und die nachhaltige (C1, C2), sich am Laufenden haltende Informationskompetenz. Sie formulieren die Standards für die Informationskompetenz der Studierenden.

Flexible Schulungsangebote angepasst ans Niveau der Studierenden

Am Ende bleibt festzustellen, dass im Bereich der Informationskompetenz bei Studierenden teilweise sehr große Niveauunterschiede bestehen. Wie man diese Niveauunterschiede erfassen, auswerten und mittels Schulungen an Universitätsbibliotheken – oder eventuell auch bereits im Schulunterricht – ausgleichen will, zeigt das Modell des „Referenzrahmens der Informationskompetenz“.

Mithilfe der daraus gewonnenen Daten können Teaching Libraries unter Anwendung der gängigen Rahmenmodelle (wie Metaliteracy, Framework for Information Literacy for Higher Education, ANCIL) Schulungsangebote zur Informationskompetenz ihrer Studenten zusammenstellen und entwickeln, die flexibel genug sind um in entsprechenden Lern-/Schulungsgruppen am jeweiligen Wissensstand der Lernenden anzudocken und deren Lernbedürfnisse zu befriedigen.

Teilnehmerin ULG UB Wien 2015

Quelle:
(1) Klingenberg, A. (2012). Entwurf eines gemeinsamen Referenzrahmens Informationskompetenz. Zugriff unter http://referenzrahmen.pbworks.com/w/page/40467625/FrontPage am 31.5.2015