Informationskompetenz @Bibliothekartag

Am österreichischen Bibliothekartag finden dieser Tage interessante Vorträge und Diskussionen aus den Themenbereichen Informationskompetenz und zur Vorwissenschaftlichen Arbeit statt.  Es werden ExpertInnen aus Österreich (Ulrike Kugler, Roland Robwein, Karin Ruhmannseder und Michaela Zemanek) und internationale Gäste vortragen: Jane Secker  aus Großbritannien (den TeilnehmerInnen der ULG Workshops vom ANCIL Rahmenmodell bekannt), Brigitte Schubnell aus der Schweiz, Karin Melloni, Simone Kibler, Linda Eckardt, Fabian Franke und Thomas Hapke aus Deutschland werden uns Einblicke in wichtige internationale Entwicklungen und Projekte erlauben.

Karin Lach

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Twitter, Facebook und Informationskompetenz

Posted for a workshop participant:

Social Media ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wie ihr wahrscheinlich alle wisst, ist Facebook mittlerweile so gewachsen, dass es das drittgrößte Land wäre – hätte es Einwohner. Man vergibt Likes, Shared und kommentiert Bilder, Kommentare und Ereignisse. Mit 288 Millionen Nutzern wäre Twitter auf Platz 4 der größten Länder. Ich möchte näher auf diese beiden Social Networks eingehen, weil sie an der Spitze stehen und so viel genutzt werden, wie kaum etwas anderes.

Ich selbst benutze sowohl Twitter, als auch Facebook. Bei beiden bin ich eher Informationskonsument und nur selten selbst ein Produzent. Was mich vor allem auf Twitter hält sind die kurzen, knappen Meldungen. Zu beobachten ist auch, dass auf Twitter hauptsächlich Journalisten, Medien und Stars zwitschern, was sie so bewegt. Was natürlich ein großer Vorteil ist, denn so bekommt man die Nachrichten (vgl. derStandard) in 160 Zeichen präsentiert. Um zu bewerten, ob diese News aber auch der Wahrheit entsprechen oder zumindest seriös sind, muss man schon ganz genau schauen, wer sich hinter dem Account verbirgt. Wenn man beispielsweise den Auftritt von der „Tagespresse“ oder dem „Postillon“ mit dem des Standards vergleicht, so kann man keine nennenswerten Unterschiede finden. Alle drei scheinen auf den ersten Blick seriös und „echt“ zu sein. Doch vergleicht man die Tweets (bzw. auf Facebook die Beiträge) miteinander, dann merkt man sehr schnell, dass die „Tagespresse“ und der „Postillon“ nur Satire-Zeitschriften sind. Beim Standard hingegen wird des Öfteren auch oft auf anerkannte Forschungsinstitute verwiesen und die richtige Quellenangabe steht ebenfalls dabei. Weitere Hinweise bieten die Impressen der jeweiligen Tageszeitungen. Wenn wir jetzt weggehen von den Zeitungen und uns wissenschaftlichen Texten zuwenden, so merken wir schnell, dass auch die URL eine Rolle spielt. Ein geprüfter, seriöser wissenschaftlicher Text, der auf der Seite der Universität Wien (univie.ac.at) erschienen ist, wird man ohne Bedenken weiterverarbeiten und als begründbare Quelle anführen können. Jedoch ist nicht jeder Facebook-Post eine wissenschaftliche Arbeit.
Jeder kann alles auf die Social Networks laden und so auch viele Gerüchte und Unwahrheiten verbreiten.

Um sich richtig und sicher im Sinne der Informationskompetenz in den Social Media-Kreisen zu bewegen erfordert es also eine gewisse Kompetenz um zu unterscheiden zwischen „Seriös“ und „Blödsinn“. Natürlich gibt es dazwischen noch einige Abstufung und ich habe das hier auch nur überspitzt dargestellt. Leider gibt es immer mehr Menschen, die alles für bare Münze nehmen, was auf den sozialen Plattformen so geschrieben wird. Meiner Meinung nach sollte man da vermehrt in den Schulen und jeglichen Bildungseinrichtungen Kurse anbieten, wo einem der Umgang mit Informationen in Social Networks beigebracht wird. Denn Informationskompetenz ist erlernbar 🙂

Sophie Pimpers

 

Informationskompetenz ist…….

Ein mir gesendeter Beitrag einer Kursteilnehmerin:

Informationskompetenz ist…….

Informationskompetenz – dieses wohlklingende Wort – wird im Bereich des Bildungswortschatzes immer öfters verwendet. Die meisten verwenden es, ohne genau zu wissen, was es bedeutet. Würde ich dieses Wort einem Kind zu erklären versuchen, dann würde ich es mit „das Wissen über eine Information, eine Auskunft, eine Angabe etc.“ beschreiben. Im Modul „Förderung von Informationskompetenz“ beim Vortragenden Dr. Wilfried Sühl-Strohmenger haben wir ebenfalls von Informationskompetenz gesprochen. Aus seinen Unterlagen entnehme ich auch folgende Definition, die es wissenschaftlich auf den Punkt bringt: Unter Informationskompetenz versteht man „ein Bündel von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten […], das für das Bewältigen der Anforderungen in der Informations- und Wissensgesellschaft“[1] wesentlich ist und deshalb Bestandteil des lebenslangen Lernens ist. Dieses Wissen, welches man für die Bewältigung benötigt, ist jedoch vom Alter abhängig. Je nach Altersstufe müssen z. B. Schüler unterschiedliche Aufgaben bewältigen und eine entsprechende Informationskompetenz vorweisen können.

In der Schule ist durch die Lehrpläne genau festgelegt, welche Bildungsziele, welche Kompetenzen[2], zu welchem Zeitpunkt erreicht werden müssen. Ich finde dies sehr gut, da dadurch Leistung auch überprüft werden kann und durch die vorgegeben Bildungsziele weiß der Lehrer, auf welches Wissen er aufbauen kann. Diese Tatsache fehlt bis dato an österreichischen Bibliotheken. Von den Studenten wird Informationskompetenz im hohen Maße gefordert, welche mit dem Begriff der „Teaching Library“ zusammenhängt. Je nach Studienrichtung bietet die jeweilige Universitäts- oder Fachbereichsbibliothek unterschiedliche Kurse, Workshops und Lehrveranstaltungen an, um eine ausreichende Informationskompetenz zu erlangen, damit das Suchen und Finden relevanter Literatur und das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten keine Hürde darstellt. Mein Kritikpunkt ist hier, dass zwar viele Kurse und Lehrveranstaltungen in der Hinsicht angeboten werden, aber die meisten sind noch nicht als verpflichtend vorgesehen und basieren auf Freiwilligkeit oder Resignation – wenn im wissenschaftlichen Prozess wenig weiter geht – der Studenten. Ein Vorschlag wie man Informationskompetenz im bibliothekarischen Kontext umsetzen kann, zeigt das ANCIL-Modell[3], mit welchem sich auch meine Gruppe näher beschäftigt hat. Für uns war dieses sehr anschaulich und praxisorientiert. Es besteht aus zehn Zielen, die im Englischen mit „strand“ wiedergegeben werden. Diese lauten:

  1. Transition from school to higher education,
  2. Becoming an independent learner,
  3. Developing academic literacies,
  4. Mapping the information landscape,
  5. Resource discovery in your discipline,
  6. Managing information,
  7. Ethical dimension of information,
  8. Presenting and communicating knowledge,
  9. Synthesis and creating new knowledge und
  10. Social dimension of information.

Diese zehn Kompetenzen werden detailliert beschrieben und mit Beispielen untermauert. Sie sind nicht aufbauend, sondern können in einer beliebigen Reihenfolge vermittelt bzw. angewendet werden. Eine Möglichkeit wäre, dass man Kurse und Veranstaltungen in Bibliotheken die für Schulungszwecke gedacht sind, nach dem ANCIL-Modell aufbaut. Man könnte das dahingehend aufbauen, dass die Studenten Informationskompetenz als eine Art Zertifikat erwerben können, die sie dann vor künftigen Arbeitgebern vorweisen können. Bibliothekare würden dann vermehrt Bibliothekspädagogen sein und würden z. B. auch Prüfungen abnehmen. Hier wird die Bibliothek dem Begriff der „Teaching Library“ gerecht. Ich denke, dass Bibliothekare in Zukunft vermehrt Informationskompetenz vermitteln werden, wobei die Umsetzung und Adaptierung des ANCIL-Modells eine Möglichkeit wäre.

Katarina Zvonarich (Teilnehmerin UBW)

[1] Sühl-Strohmenger, Wilfried: Handout: Förderung von Informationskompetenz Teaching Library/Didaktik (Praxis) 2015, S. 4.

[2]https://www.bmbf.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_ahs_unterstufe.html (29.05.2014)

[3]https://newcurriculum.wordpress.com/ (1.6.2015)

Framework for Information Literacy for Higher Education als Denkmodell für den Umgang mit Repositorien

Ein Beitrag einer Kursteilnehmerin

Das von der Association of College and Research Libraries veröffentlichte Framework (http://www.ala.org/acrl/standards/ilframework) basiert auf einer Delphi Studie, die einige Schwellenkonzepte im Bereich Informationskompetenz identifiziert hat. Grundlegend dabei ist die Überzeugung, dass alle am Informationsprozess beteiligten Personen, sich ihrer Verantwortung am Prozess gelungener Informationsweitergabe stärker bewusst werden sollten. Das Modell geht von sechs so genannten Frames aus, wobei vor allem drei davon meiner Meinung nach auch für den Umgang mit Repositorien unverzichtbar sind. Eines dieser Konzepte meint „Authority is Constructed and Contextual“. Die Frage nach glaubwürdigen Quellen wird umso wichtiger, je größer das Informationsangebot ist und umso leichter und vielfältiger sich der Zugang zu Publikationsorganen gestaltet. Bei Repositorien, die beispielsweise von der gesamten Universität, also auch von den Studierenden, aktiv genutzt werden kann, bedarf es auf der einen Seite einer kritischen Haltung gegenüber den publizierten Inhalten, auf der anderen Seite ergibt sich dadurch aber auch die Chance, an Inhalte zu gelangen, die vielleicht von nicht ausgewiesenen ExpertInnen des eigenen Faches stammen und dennoch wichtig für die Forschung sind. Ein Beispiel dafür wären Bilder, die von Geografen zur Verfügung gestellt werden, aber aufgrund darauf erkennbarer historischer Gebäude auch für Kunsthistoriker interessant sind. Auch die These „Information Creation as a Process“ trifft meiner Meinung nach auch auf Repositorien zu. Inhalte aus einem Repositorium können mit anderen Inhalten verknüpft und eventuell in einem anderen Kontext in Beziehung gesetzt werden. Fächerübergreifende Betrachtungen eines Gegenstandes werden möglich und daraus kann neues Wissen entstehen. Auch die unterschiedlichen Repräsentationsmethoden von Wissen in unterschiedlichen Formaten werden hier angesprochen und sind wichtig für den Prozess der Informationsgewinnung. Nicht zuletzt ist auch der Punkt „Information has Value“ wesentlich. Hier ist vor allem die Eigenverantwortlichkeit der ProduzentInnen aber auch der KonsumentInnen von Wissen angesprochen. Das betrifft nicht nur den reflektierten Umgang mit rechtlichen Fragen, sondern auch das Bewusstwerden, dass Information immer ein soziales und kulturabhängiges Konstrukt ist. Wichtig ist auch, sich die Tatsache, dass die Möglichkeit Wissen verbreiten zu können nichts Selbstverständliches ist, immer wieder vor Augen zu halten. Der offene Zugang zu Publikationsmöglichkeiten ist nichts Selbstverständliches. Die Möglichkeit Inhalte über ein Repositorium weltweit verbreiten zu können ist jedoch auch mit Verantwortung verbunden. Information zu produzieren bedeutet Zeit und Wissen zu investieren, was von den Usern, also im Grunde von uns allen, auch respektiert werden sollte.
Aber auch die restlichen drei Frames sind für den Umgang mit Repositorien durchaus interessant. „Research as Inquiry“, „Scholarship as Conversation“ und „Searching as Strategic Exporation“ zielen darauf ab, den Informationsfluss als mehrdimensional zu betrachten. Es existieren in der heutigen Zeit zahlreiche Zugänge zum Wissen, die mitbedacht werden sollten. Etwas zu wissen ist kein statischer sondern ein dynamischer Zugang. Die Information zwischen Lehrendem und Lernendem fließt in beide Richtungen und die Suche nach Information sollte möglichst breit angelegt und den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. Informationssuchende müssen sich Wissen über die Struktur des zur Verfügung gestellten Wissens aneignen und Informationsanbieter müssen das Wissen entsprechend aufbereiten. Der Zugang zu den Inhalten sollte über Metadaten leicht erschließbar sein und die Struktur der verwalteten Objekte muss klar erkennbar werden. Hilfestellungen verschiedener Art von Seiten der Repositorienbetreiber sind dabei ebenso selbstverständlich wie eine begleitende juristische Unterstützung. Nur so kann das gesammelte und aufbereitete Wissen fließen.
Insgesamt bietet dieses Framework wichtige Denkanstöße um mit Information adäquat umgehen zu können. All die Überlegungen sollten auch beim Betrieb und bei der Verwendung von Repositorien Eingang finden.

Susanne Blumesberger, Teilnehmerin

[Anmerkung Karin Lach: Ich füge diesen Beitrag manuell für eine Kursteilnehmerin ein, da wir es trotz wiederholter Einladungen durch mich und Annahmen durch sie leider nicht geschafft haben, sie als aktive Beiträgerin freizuschalten… also machen wir es so.]

 

Workshop an der ÖNB 22.4.2015

Fast vorbei ist das Workshop an der ÖNB. Wir habe Rahmenmodelle analysiert und einzelne Elemente herausgearbeitet, die uns besonders ansprechen. Das lebenslange Lernen wurde als ganz besonders wichtiger Aspekt der Rahmenmodelle der Informationskompetenz identifiziert. Wir haben auch Lerneinheiten zur Informationskompetenz danach untersucht, inwiefern sie schon implizit Elemente der neuen Rahmenmodelle enthalten bzw. ihre Lernziele mit diesen in Bezug gesetzt werden können. Die Studierenden arbeiten gerade an den letzten Präsentationen dazu. Ein sehr spannender Tag für mich.

(Karin Lach)

Am 21. bzw. am 24. April geht es los!

Das eintägige und das eineinhalbtägige Workshop im Rahmen des  ULG “Library and Information Studies” (Grundlehrgang) an der Universität Wien (Österreichische Nationalbibliothek bzw. Universitätsbibliothek Wien) Studienjahr 2014/2015, Modul 5.3 Förderung von Informationskompetenz beginnen am 21. bzw. am 24. April 2015.

Bis dahin gilt es sich 3 rezente Rahmenmodelle der Informationskompetenz ( ACRL Framework for Information Literacy for Higher Education, Metaliteracy, A New Curriculum for Information Literacy (ANCIL) ) einmal anzusehen.

Wir werden uns diese Rahmenmodelle daraufhin ansehen, wie und in welchen Kontexten sie eine Leitfunktion für die Entwicklung von didaktisch durchdachten Angeboten bieten können, und das an Praxisbeispielen im Ansatz ausprobieren. Und einige Reflexionen darüber bzw einige Ergebnisse sollen in diesem Blog veröffentlicht werden. Es wird spannend!

(Karin Lach)