Informationskompetenz bedeutet…

…schnell ein E-Book herunterzuladen? Ein Video-Interview zu einem gesuchten Schriftsteller finden? Den günstigsten Flug nach Barcelona zu buchen? Fremdwörter nachzuschlagen?
Hier eine Annäherung an einen Begriff, der einfach klingt, aber es ganz und gar nicht ist.

In der Alexandrina-Proklamation zu Informationskompetenz wird der Terminus Informationskompetenz wie folgt erklärt:

Informationskompetenz umfasst die Kompetenzen, um Informationsbedarf zu erkennen und zu finden und Informationen in kulturellen und sozialen Kontexten zu bewerten, anzuwenden und zu erstellen.

Diesen Satz verstehe ich folgendermaßen: Informationsbedarf erkennen können wir nur dann, wenn wir herausfinden, dass unser Vorwissen zu einer Fragestellung oder Situation nicht ausreicht – wir „brauchen noch Zusatzinfos“ oder wir „verstehen nicht, worum es geht“ oder wir „müssen das nochmal nachschauen“.
Aus diesem „Wissens-Ungleichgewicht“ können wir eine Fragestellung, eine Suchanfrage, vielleicht sogar Neugierde entwickeln. Wenn wir wissen, wo wir Zugang zu den gewünschten Informationen haben, müssen wir also im nächsten Schritt bewerten können, woher die einzelne Information stammt, in welcher Zeit sie entstanden ist und wer sie verfasst hat.
Aus diesen schon recht umfangreichen Vorarbeiten, können wir nun die neue Information in unser Vorwissen integrieren. Wir wenden das Wissen an, indem wir uns nun möglicherweise anders, „informierter“, verhalten, wir erzählen vielleicht unseren neuen Wissensstand Interessierten oder wir verschriftlichen unsere Erkenntnisse.
Klingt einfach – ist es aber nicht. Denn wir bewegen uns in einer Welt, die eine unüberschaubare Anzahl von Informationen zu bieten hat. Sich diesem Überangebot zu nähern, ohne dabei die Nerven zu verlieren, ist, einfach ausgedrückt, auch Informationskompetenz. Es braucht daher bestimmt mehr Annäherungsmöglichkeiten und Einführungen für eine effektive Arbeitsweise am Informationsmarkt – und zwar für jedes Alter. Es kann einfach nicht mehr „vorausgesetzt“ werden, dass jeder selbstständig die Orientierung im Informationsangebot behält. Schulungen für individuelle Bedürfnisse, auf unterschiedlichen Niveaus und auch für unterschiedlich alte Menschen werden wahrscheinlich in Zukunft ein wichtiges Standbein von Bibliotheken sein.

Für mich meint das obige Zitat daher: Menschen, die informationskompetent sind, wissen nicht nur, welche Angebote wo zu finden sind (z.B. in Bibliotheken), sie verfügen auch über ein Bewusstsein für Quellen. Sie denken kritisch, überprüfen und vergleichen und sind offen für diesen Lernprozess, der sich auch in neue Richtungen bewegen darf.

Teilnehmerin ULG UB Wien, 2015

Weiterlesen