Law Literacy und Moot Courts als Formen juristischer Medienkompetenz

Bei meiner Beschäftigung mit dem Modell Metaliteracy ist mir folgender Gedanke gekommen: Im Bereich der rechtswissenschaftlichen Studien firmiert schon seit längerer erfolgreich ein Modell, das Informationskompetenz und Recherchetraining für Studierende in einer besonders praxisnahen Variante umsetzt: sogenannte Moot Courts.

Über diesen universitären Übungstyp, der außerhalb des Jus-Studiums wohl nur den wenigsten bekannt ist, möchte ich hier kurz berichten.

Im Rahmen eines Moot Courts schlüpfen Studierende in die Rollen realer Akteure (Anwalt/Verteidiger/Gegenseite etc.). und spielen in verschiedenen Gruppen ein fiktives Gerichtsverfahren durch. Vorgegeben wird ein Fallszenario, das durch Recherchen, Verfassen von Schriftsätzen vorzubereiten ist, und dann in einer Art inszenierten Gerichtsverhandlung  live gegeneinander ausprozessiert wird. Wie im echten Verfahren gibt es am Ende Gewinner und Verlierer, über den Ausgang des Verfahrens entscheidet meist eine Jury aus Hochschul-Lehrenden und JuristInnen aus der Praxis.
Speziell das Schlüpfen in verschiedene Rollen findet sich so auch in zahlreichen Modellen der Informationskompetenz wie metaliteracy wieder, und stellt den großen Mehrwert dieser spielerischen Fallanalysen dar.

Detaillierte Recherchen, das schnelle Auffinden und organisieren von Informationen sind das täglich Brot des juristischen Berufs, das daher auch im Studium einen wesentlichen Stellenwert einnimmt. Im Sinne einer „Law Literacy“ sollen besonders jene Fähigkeiten geübt und verbessert werden, die in der juristischen Praxis, aber auch in der wissenschaftlichen Tätigkeit an Universitäten von hoher Relevanz sind.

Das Modell der Moot Courts wurde ursprünglich von Rechts-Fakultäten im angloamerikanischen Raum etabliert (wovon so mancher Spielfilm Zeugnis ablegt). Inzwischen gibt es auch in Österreich jährlich verschiedene Moot Courts, und auch Arbeitsgruppen zu dem Thema haben sich formiert.

Vielleicht kann das Modell Moot Court und der Aufbau einer „Law Literacy“ auch in anderen Bereichen Schule machen, da die Verlagerung moderner Informationssysteme ins Netz nicht nur im juristischen Bereich, sondern ganz generell ein aktuelles Thema darstellt.

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