Informationskompetenz: Das Sapere aude! der digitalen Welt

Informationskompetenz (information literacy) wird in der 2005 in der Bibliotheca Alexandria verabschiedete Proklamation  als die Fähigkeit definiert, über die gesamte Lebensspanne selbstständig und unabhängig in der Lage zu sein, zu Informationen zu gelangen, Inhalte kritisch zu bewerten und diese anzuwenden. Informationskompetenz als Menschenrecht ist das erklärte Ziel einer aufgeklärten Gesellschaft auf dem Weg hin zu Freiheit und Wohlstand.[1] Jene, in der Proklamation festgehaltenen Forderungen des High-Level-Kolloquiums für Informationskompetenz, welche sich im Besonderen an Regierungen und zwischenstaatliche Organisationen richten, sollen sich durch die Entwicklung von Programmen und Strategien, im Speziellen auch innerhalb von Aus- und Weiterbildung verwirklichen und somit die Mündigkeit und Selbstständigkeit Einzelner im Denken und Handeln gewährleisten.[2]

Auch wenn sich diese Forderungen ganz konkret das historisch relativ junge Phänomen der sogenannten digitalen Welt beziehen sind sie, konsequent zu Ende gedacht und auf das Wesentliche heruntergebrochen, nichts anderes als der Ruf nach einer aufgeklärten Gesellschaft. Was Aufklärung bedeutet beantwortete Kant 1784 in seinem Essay Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? mit folgender bekannter Definition: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“[3]

Dem hinzuzufügen ist, dass dem Ausgang aus einer selbstverschuldeten, in unserem Fall digitalen Unmündigkeit, die notwendigen Mittel vorangestellt und vor allem zugänglich gemacht werden müssen. Dass die Alexandria Proklamation ausgerechnet in jenem Land verabschiedet wurde, in welchem wenige Jahre später das Internet ganz einfach abgedreht wurde (http://www.sueddeutsche.de/digital/proteste-in-aegypten-wie-google-die-blockade-austrickst-1.1053827) kann nur ein Zufall sein, zeigte jedoch eindrücklich, welchen enorm hohen Stellenwert Zugang zu digitaler Information bereits eingenommen hat und inwieweit Zugang zu Information immer auch einen politischen und einen immer damit zusammenhängenden und wahrscheinlich noch grundlegenderen ökonomischen Willen voraussetzt.

Ist man in der privilegierten Situation sich vielmehr mit den Inhalten und Strukturen auf dem Weg hin zu einer Definition und Evaluation von Informationskompetenz auseinanderzusetzen zeigt sich, dass es mit einem zur Verfügung stellen elektronischer Infrastruktur noch lange nicht getan ist. (Nicht ausser Acht zu lassen sind dabei vor allem die gegenwärtigen Bemühungen und Open Access-Empfehlungen wissenschaftlicher Institutionen wie dem OPEN ACCESS NETWORK AUSTRIA rund um den barrierefreien Zugang zu elektronischen Publikationen / eAccessibility; siehe auch: http://www.e-infrastructures.at/.) Weiters definiert ANCIL – A New Curriculum for Information Literacy -um nur eines in Bibliotheken mit teaching library-Fokus prominent gewordenes Evaluationsmodell zu nennen- Leitfäden eines Lernprozesses, welchen beispielsweise Studierenden zumindest bis zum Bachelor-Abschluss durchschritten haben sollten.

Informationskompetenz ist eine Fähigkeit, welche zwar auch, aber nicht nur durch Rahmenmodelle beschrieben und durch Unterricht erlernt werden kann. Allem voran steht immer noch die Entschließung und der Muth jeder / jedes Einzelnen, sich nicht nur des Verstandes, sondern ebenso (das sollte hier im Kontext nicht unerwähnt bleiben) der geeigneten Suchwerkzeuge zu bedienen.

[1] Vgl. http://www.ifla.org/node/8952 Seite abgerufen am: 24. 5. 2015

[2] Vgl. http://www.ifla.org/node/8952 Seite abgerufen am: 24. 5. 2015

[3] Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Berlinische Monatsschrift 4 (1784), S. 481-494.

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