Lebenslanges Lernen in Rahmenmodellen der Informationskompetenz und in der Bildungspolitik

In meinem Beitrag möchte ich auf Aussagen der im ULG-Kurs behandelten Modelle zu lebenslangem Lernen (LLL) eingehen und sie mit Strategien der Bildungspolitik vergleichen.

Im von der ARCL veröffentlichten Framework for Information Literacy for Higher Education werden zentrale Konzepte der Informationskompetenz gelistet, jedoch wird der Begriff des LLL selbst nicht genannt. Dieses Modell ist auf die Situation an Hochschulen abgestimmt und das Vorher und Danach wird nicht generell mit einbezogen. Im Gegensatz dazu sehen die Modelle Metaliteracy und ANCIL die Informationskompetenz in einem weiteren Kontext:

Metaliteracy verweist beim vierten und letzten Ziel auf LLL „Demonstrate ability to connect learning and research strategies with lifelong learning processes and personal, academic, and professional goals“. Dabei wird auf Horizonterweiterung und Selbstkompetenz abgezielt, sowie als Schlussfolgerung Metaliteracy als lebensbegleitender Wert und ständige Übung betrachtet.

ANCIL thematisiert LLL auch im letzten der 10 Stränge „ Transferring information literacy skills, behaviours and attitudes to everyday life, in line with the principles of lifelong learning”. Hier werden explizit das Lernen am Arbeitsplatz, Lernen für das tägliche Leben, sowie Herausforderungen für das Weltbild des Lernenden angesprochen.

Diese Rahmenmodelle bieten eine holistische Sicht des LLL – nicht nur Ausbildung sondern Bildung generell wird angestrebt.

Die 2005 veröffentlichte Alexandria – Proklamation, als Statement IFLA, sieht Informationskompetenz als Basis von LLL. Informationskompetenz wird als Mittel zum Erreichen persönlicher, sozialer, beruflicher und bildungsmäßiger Ziele angesehen und als grundlegendes Menschenrecht deklariert. Beim LLL stehen mehr der öffentliche Nutzen und die Entwicklung der Informationsgesellschaft im Vordergrund. „Lebenslanges Lernen ermöglicht Einzelpersonen, Gemeinschaften und Nationen, ihre Ziele zu erreichen und neue Chancen im sich entwickelnden globalen Umfeld zum gemeinsamen Vorteil zu nutzen. Es hilft ihnen und ihren Institutionen, technologischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen zu begegnen, Hindernisse zu beseitigen und das Wohlergehen aller zu fördern.“

Auch in der EU und in Österreich zeigt sich beim LLL eine vorrangige Orientierung an Wettbewerb und Arbeitsmarkt. Die Lissabon-Strategie hatte das Ziel die EU bis 2010 zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum“ zu machen. Darauf aufbauend wurde „Europa 2020: Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“ mit der neuen Strategie „Allgemeine und berufliche Bildung 2020“ entwickelt. Nach der EU-Definition umfasst LLL zwar „alles Lernen während des gesamten Lebens, das der Verbesserung von Wissen, Qualifikationen und Kompetenzen dient und im Rahmen einer persönlichen, bürgergesellschaftlichen, sozialen, bzw. beschäftigungsbezogenen Perspektive erfolgt“ bei den Maßnahmen wird aber stark auf berufliche Nutzbarkeit Wert gelegt. Schlüsselkompetenzen für LLL sind: Muttersprachliche, fremdsprachliche, mathematische und naturwissenschaftliche, Computer-, Lern-, soziale und Bürger-, unternehmerische Kompetenz und Eigeninitiative, Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit. Als Indikator für LLL wird bei der 25-64-jährigen Bevölkerung (nur die Phase der Berufstätigkeit wird erfasst!!!) die Aus- und Weiterbildungsbeteiligung innerhalb der letzten 4 Wochen vor der Befragung in allen EU-Staaten erhoben. Bis 2020 soll in den Mitgliedsstaaten durchschnittlich eine Quote von 15% erreicht werden. In Österreich lag die Quote laut Statistik Austria 2014 schon bei 14.7% (Wien 19.7%; Frauen 16.6%).

Das in Österreich von einer interministeriellen Arbeitsgruppe entwickelte Dokument LLL:2020 – Strategie zum lebensbegleitenden Lernen in Österreich konzentriert sich auf Bildung, Integration, Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Soziales, Finanzen und Regionales von der Vorschul- bis zur Nachberufsphase. Bei der Präsentation des Strategiepapiers wurden auch die Hochschulen in die Pflicht genommen: „Universitäten und Fachhochschulen müssen sich angesichts der demographischen Entwicklung und der kontinuierlich steigenden Anforderungen in unserer Wissensgesellschaft verstärkt auch als hochwertige Institutionen für Weiterbildung und lebenslanges Lernen etablieren.“ … „Lebensbegleitendes Lernen ist individuell bereichernd und beruflich nützlich. Daher haben Hochschulen die Aufgabe, hochwertige Bildung und Ausbildung während späterer Lebensphasen zu ermöglichen. Dieser Ansatz hat die Institutionalisierung und weitere Verbreitung des quartären Bildungssektors unterstützt, der sich u.a. auch auf die Nutzung der Bibliotheken der Hochschulen als wesentliche Säule des LLL stützt.

Anna-Maria Soja

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